Drucken

Kinderstadt 2000 - Eine erste Nachlese, Ziele und Erfolge

Geschrieben von Christiane Plath-Detlef am .

Inhalt


Kontakt:

Stadtteilgespräch Roderbruch e.V.,Buchnerstr.13b, 30627 Hannover
Christiane Plath-Detlef, Kulturtreff Roderbruch, Tel.: 0511 / 549 81 80, Fax: 0511 / 549 81 86, Email: Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst


Roderbrucher Kinder haben Erlebniswelten - Kinderstadt 2000 (27. - 29.6.2000)

"Stell Dir vor, Du kommst in eine Spielstadt. Du erhältst ein Startspielgeld und im Einwohnermeldeamt eine Arbeitserlaubnis. Und dann geht's zum Arbeitsamt. Du kannst aus vielen verschiedenen Arbeitsplätzen wählen: z.B. bei den Stadtwerken Solarenergie herstellen, als Polizist auf die Einhaltung der Kinderstadt-Gesetze achten und Räuber/-innen fangen, Verkäufer/-in werden, als Gärtner/-in helfen, einen Garten im Spielpark anzulegen u.v.m. Wenn Du Deinen Job erledigt hast, kannst Du zur Bank gehen und Dir Dein Gehalt auszahlen lassen oder ein Sparbuch anlegen. Danach kannst Du Dich entspannen und z.B. eine Eintrittskarte für eine Zirkusshow kaufen oder ins Kino gehen. Oder Du stärkst Dich und kaufst Dir im Kiosk etwas zu essen. Oder Du besorgst Dir beim Arbeitsamt eine neue Stelle und verdienst Geld als Schildermaler/-in, als Müllsammler und -verwerter/-in, als Bankangestellte/-r, als Verwaltungskraft im Einwohnermeldeamt ... Oder Du läßt Dich im Rathaus blicken und beteiligst Dich an den Vorbereitungen von Bürgermeisterwahlen...
Es ist Deine Spielstadt. Du hast sie mit vorbereitet. Du hast mit deiner Schulklasse oder Deiner Kindergartenguppe zusammen einen der vielen Arbeitsplätze in der Spielstadt geplant und einige von Euch betreuen nun Euren Betrieb und leiten die Arbeiter/Innen an, die vom Arbeitsamt geschickt werden. Die anderen aus Deiner Gruppe besorgen sich über das Arbeitsamt selbst einen Job oder sie vergnügen sich z.B. auf der Inliner-Bahn oder im Schönheitsstudio. Nachher werdet Ihr tauschen. Eine tolle Stadt - nicht wahr?"

Die Spielstadtidee ist faszinierend einfach und höchst anspruchsvoll zugleich. Kinder können drei Tage lang in einer eigenen Stadt leben, arbeiten, sich vergnügen, konsumieren, lernen, mitbestimmen.
Das Projekt "Kinderstadt 2000" hat vor mehr als einem Jahr mit dem ersten Planungstreffen begonnen. Veranstalter ist das "Stadtteilgespräch Roderbruch e.V.", in dem viele Institutionen, Vereine, Parteien und Kirchen im Stadtteil zusammenarbeiten.
Ziele der Kinderspielstadt 2000 sind:

  • vernetzte Zusammenarbeit: unterschiedliche Kinder- und Jugendgruppen aus Kindertagesstätten, Horten, Schulklassen und nicht organisierten Gruppen sowie "Fachleute" arbeiten zusammen. Stärkung des sozialen Netzwerkes im Stadtbezirk.
  • Beteiligung: Kinder und Jugendliche im Alter von 5 bis 14 Jahren bereiten sich seit Monaten über Beteiligungsprozesse (Zukunftswerkstätten) auf das Projekt vor und gestalten "ihre" Stadt.
  • Nachhaltigkeit: Im Rahmen des Projektes wird mit den Kindern der Spielpark Roderbruch gestaltet. Diese Veränderungen bleiben, auch wenn nach drei Tagen die Spielstadt selbst vorbei ist (Schaffung eines starken Standpunktes für Kinder- und Jugendarbeit im Stadtteil!)
  • Politische Teilhabe und demokratische Mitbestimmungsformen sowie ökologische Themen sollen in kindgerechter Weise spielend erlebt werden.
  • Kinder und Jugendliche erleben den Zusammenhang von Arbeit, Produktion, Lohn, Verkauf, Freizeit, Kultur und Konsum. Störungen dieses Kreislaufs verlangen nach Problemlösungsstrategien und auch diese müssen dann entwickelt werden. Alles was in der Stadt getan oder hergestellt wird, hat einen echten Wert. Alles wird mit dem verdienten Stadtgeld bezahlt.
  • In der Kinderstadt können "Gegenwelten" zur Gewalt im Alltag kennengelernt und ausprobiert werden (Kindergrundgesetz, Kinderpolizei, Streitschlichter

An der Spielstadt 2000 waren beteiligt:

    AWO Kindertagesstätte Kapellenbrink, AWO Kindertagesstätte Ahldenerstr., Bezirksregierung Hannover - IGS Roderbruch, Bezirksregierung Hannover - Hermann Löns Hauptschule, Bürgergemeinschaft Roderbruch e.V., Bezirksrat Buchholz/Kleefeld, Diakonisches Werk - Jugend- und Familienhilfestützpunkt, Gemeinschaftsaktion - Niedersachsen ein Land für Kinder, Kita der Ev. Kirchengemeinde Matthias, Hort Wirbelwind und Kita Nikolaas-Tinbergen-Weg des GGPS, Kinderhort Seckbruchstr., Amt für Jugend und Familie - Fachberatung Kindertagesstätten, Kindertagesstätte Neue Landstr., Kindertagesstätte Rotekreuzstr., Spielpark Roderbruch, Stadtjugendpfleger, Jugendzentrum Friedrich Lohmeyer, Kulturamt: Kulturbüro Misburg-Anderten, ABM Fachkraft für Philosophie, Kulturtreff Roderbruch, Kommunales Kino, Stadtteilgespräch Roderbruch e.V., Traktormobil der Ev. Dietr. Bonhoeffer Kirche, Wohnungsunternehmen Gundlach: Nachbarschaftszentrum Spielarkaden, Umweltzentrum Hannover e.V., Amt für Umweltschutz, Jugendumweltbüro JANUN, Umweltzentrum Eldagsen, Schulbiologiezentrum, Kreisjugendwerk AWO - rollende Baustelle, BIU Bürgerinitiative Umweltschutz, Grünflächenamt der Landeshauptstadt Hannover, Ben Guri Theater, Naturfreundejugend Hannover, Radio Flora, Kommunaler Sozialdienst


Konzeptionelle Vorüberlegungen

Die Kinderstadt 2000 war als umfangreiches Beteiligungsprojekt konzipiert und hat sich in der Projektdurchführung dahingehend erfolgreich bewährt. Mehrere Zukunftswerkstätten in Kindertagesstätten und in der offenen Kinder- und Jugendarbeit haben stattgefunden und eine neue Phase in der "Zusammenarbeit" mit Kindern im Stadtteil eingeleitet.
Demokratische Strukturen, die Beteiligung zulassen, sind schon mit jüngsten Kindern in einer altersangemessenen Form möglich und verschiedene Methoden zur Beteiligung haben zur Kinderstadt 2000 Anwendung gefunden.
Als besonders wichtig und gelungen hat sich in diesem Zusammenhang auch die projektbegleitende Fortbildung für beteiligte Erwachsene unterschiedlicher Fachrichtungen/Multiplikatoren erwiesen. Moderatoren vom Team der FH Lüneburg zeigten unterschiedliche Beteiligungsmethoden auf und entwickelten im Rahmen der Fortbildung für das Projekt Kinderstadt 2000 geeignete Vorgehensweisen.
Dies haben MitarbeiterInnen aus dem Stadtteil in ihre Einrichtungen mitgenommen und mit den Kindern zusammen umgesetzt. Die Arbeitsstrukturen einiger Teams haben sich im Verlauf dieses Projekts nachhaltig geändert.

Stattgefunden haben Beteiligungsaktionen in folgenden Einrichtungen als Vorlauf:

  • Kindertagesstätte Neue Landstr.140, 30655 Hannover, Karin Suwalski
  • Kindertagesstätte Rotekreuzstr. 23, 30627 Hannover, Ute Kultschik
  • Kindertagesstätte der AWO,Kapellenbrink, 30655 Hannover, Valeria Bialoskorski
  • Spielpark Roderbruch, offene Kinder-und Jugendarbeit, Rotekreuzstr.50, 30627 Hannover, Andreas Wettig

Zukunftswerkstätten während der Kinderstadt 2000:

  • Geländeplanungen zum Spielpark Roderbruch, Jugendumweltbüro JANUN
  • Rathaus – Kinder bestimmen mit, AWO-Rollende Baustelle

Zukunftswerkstätten, die aus dem Projekt heraus entstanden sind:

  • Traktormobil des Diakonischen Werkes, aufsuchende Kinder- und Jugendarbeit im Stadtteil, Bernd Linde, Heinz Köhrmann, Roderbruchmarkt 18,30627 Hannover
  • Mädchentreff, Buchnerstr.13B, Nachbarschaftszentrum Spielarkaden
  • Durch eine breite Unterstützung der Stadtteilpolitiker und der städtischen Ämter konnten die Leitthemen der Landeshauptstadt Hannover , die auch im Konzept dargestellt sind, in diesem Projekt Anwendung finden:

  •   Starker Standort/Urbane Lebensqualität:

Der Spielpark Roderbruch war Projektort und ist durch die Kinderstadt 2000 in den Mittelpunkt gestellt worden. Vernachlässigte Geländeteile des großen Areals haben immer wieder Zerstörungswut begünstigt und notwendige Baumaßnahmen(Abräumung kontaminierter Bahnschwellen) haben den wenig ansprechenden Zustand unterstützt. Hier ist aktueller Handlungsbedarf, denn das Gelände kann zu einem starken Standort im Stadtteil werden, wenn die Bedingungen sich bessern. So waren Kinder aus der offenen Arbeit im Spielpark Roderbruch im Rahmen des Projektes Kinderstadt 2000 aufgerufen, für das Gelände neue Ideen zu entwickeln. Im Rahmen einer Zukunftswerkstatt konnte dies gelingen und der größte Wunsch war die Anlage eines Gartens. Mit Hilfe des Grünflächenamtes und des Bezirksrates Buchholz/Kleefeld konnte dieser erste Schritt in der Geländegestaltung verwirklicht werden. Im Rahmen der Stadtteilarbeit für Kinder und Jugendliche wird dieser Garten gemeinsam von verschiedenen Gruppen genutzt und gepflegt. Hier hat sich eine neue Zusammenarbeit entwickelt und für den Spielpark Roderbruch ist ein wichtiger Bereich in der Angebotsarbeit entstanden. Die Planungen sind noch nicht abgeschlossen. Der Blick in der politischen Öffentlichkeit ist aber geschärft worden und die Problemlagen des Geländes sind deutlich geworden.

  • Ausgleich statt Spaltung/Prävention:

Die verstärkte Zusammenarbeit verschiedener Einrichtungen im Stadtteil und niederschwellige Angebote mit einem "offenen Charakter" sollen ausgebaut und attraktiver gemacht werden. Diese Zielsetzung ist durch die Kinderstadt 2000 erreicht worden und begünstigt die weitere Projektentwicklung im Stadtteil.

  • Demokratische Teilhabe:

Unterschiedliche Beteiligungsmöglichkeiten sind im Verlauf des Projektes Kinderstadt 2000 in den Mittelpunkt gestellt worden und haben sowohl den Kindern als auch den beteiligten Erwachsenen Spaß gemacht. Das Planspiel Kinderstadt hat eine übersichtliche Struktur geboten, in der sich die TeilnehmerInnen zu unterschiedlichen Themen mit unterschiedlichen Methoden der Beteiligung vorbereiten konnten. Spielerisch sind Grundzüge des Gemeinwesens vermittelt und politische Strukturen erprobt worden. So hat z.B. während der Kinderstadt 2000 das Rathaus eine entscheidende Funktion gehabt und bewirkt, dass sich ein Kinderrat gegründet hat. Dieser trifft sich seit der Kinderstadt regelmäßig und wird auch weiterhin von Moderatoren betreut.  

  • Nachhaltigkeit:

Der Kinderrat existiert weiterhin und auch die Gestaltung des Geländes im Spielpark ist nachhaltig zu bewerten.
In der Durchführung der bisherigen Projekte im Wohnquartier Roderbruch, ist eine beständige Weiterentwicklung abzulesen. Stadtteilkolleginnen/Stadtteilkollegen erfahren positive Zusammenarbeit über die Institutionen hinaus und tragen zur weiteren Vernetzung aktiv bei. Großprojekte dieser Art schaffen Vertrauen und weitere Motivation, die Stadtteilarbeit für Kinder und Jugendliche inhaltlich neu zu denken und aktuelle Entwicklungen aufzunehmen. Daher wirkt sich die Kinderstadt 2000 nachhaltig in die Gremienarbeit des Kinder- und Jugendforums des Stadtteilgespräch Roderbruch e.V. aus.


Einblicke - Der Ablauf des Projektes

    Das Auftaktfest am 6.Juli 1999 setzte für alle Kinder im Stadtteil ein Zeichen: es geht wieder los - wir planen eine Kinderstadt! Bei dem Fest wurden die Kinder nach ihren Ideen für eine neue Spielstadt gefragt. Meinungsbriefkästen für die Einrichtungen im Stadtteil wurden hergestellt und in die Institutionen mitgenommen. Kinderreporter führten Interviews durch und eine große Meinungswand hatte Platz für kritische Meinungen und Vorschläge.
    Es beteiligten sich viele Einrichtungen aus dem Stadtteil, die sich auch für die Teilnahme an der Kinderstadt ausgesprochen hatten. Aktionen und kleine Spiele begleiteten die Meinungsabfrage bei den Kindern. Kinder wurden über Mitmachmöglichkeiten informiert - so wurde z. B. die Idee vorgestellt, dass sich zur Kinderstadt 2000 eine Grübelgruppe Gedanken zu den Gesetzen der Kinderstadt machen könnte. Besonders wichtig war das Auftaktfest auch, um den Ort der Kinderstadt, den Spielpark Roderbruch, in die allgemeine Aufmerksamkeit zu rücken. Die Kinder konnten sich hier schon einmal vertraut machen.

    Ein Logo muss sein! Und es gab eine Kindergruppe, die dieses auch gern entwickeln wollte, denn schon das Logo der Kinderstadt 1998 wurde von ihnen entwickelt. Das "alte" Logo war auch die Grundlage und hatte einen Wiedererkennungswert.
    Der Hort Wirbelwind unter der Leitung von Birgit Dietl hat sich, unterstützt von Anette Klecha, Kulturamt, dieses Themas angenommen und intensiv dazu gearbeitet. Mit den Methoden der Beteiligung wurden die Kinder begleitet und haben dazu entschieden, was ihnen in der Kinderstadt wichtig ist: es soll leise sein, keine Waffen, Transportmittel sind der Elefant und der Ballon.

    Das Maskottchen der Kinderstadt 2000: der blaue Elefant - wurde schon im Januar 2000 während eines Workshops im Kulturtreff Roderbruch mit Erwachsenen und Kindern gebaut und begleitete von da an die Aktionen zur Kinderstadt 2000. Abgeleitet ist die Idee zur Großfigur von dem blauen Elefanten im Logo.
    Entstanden ist diese Großfigur unter fachlicher Anleitung von Bernd Linde, Traktormobil des Diakonischen Werkes in der Dietrich Bonhoeffer Gemeinde.
    Weiterhin unterstützte die Arbeit im Workshop Karin Suwalski, Leiterin der Kita Neue Landstrasse ebenso wie Mitarbeiterinnen des Kulturtreffs Roderbruch.

    Beteiligungen, Zukunftswerkstätten, Planungszirkel begleiteten den Weg in die Kinderstadt 2000. Aus den Erfahrungen der Kinderstadt von 1998 haben wir Erwachsenen gelernt, dass es nur eine Stadt der Kinder wird, wenn wir sie frühzeitig beteiligen und nach ihren Ideen fragen. Dieser wichtige Grundsatz war oberstes Gebot für diese Kinderstadt 2000 und bedeutete, dass wir Erwachsenen uns von Arbeitsgewohnheiten verabschieden mussten und wollten. Dass wir den Kindern Möglichkeiten der Beteiligung anbieten und uns Zeit dafür nehmen und das wir gemeinsam lernen, die Methoden der Beteiligung anzuwenden.
    Eine Mitarbeiterfortbildung mit dem Team Lüneburg, Herr Prof. Stange zum Thema Beteiligungsmethoden wurde im Stadtteil für die Beteiligten des Kinderstadtprojektes durchgeführt. Durch Moderatorenteams wurden in fünf Einrichtungen Zukunftswerkstätten durchgeführt. Alle Einrichtungen haben punktuelle Beteiligungsformen angewendet: Meinungsbriefkästen, Wand-/Bodenzeitungen, Meinungswände. Die Wünsche der Kinder, die Betriebsideen, die Auseinandersetzung mit dem Thema Recht und Gesetze, das Rahmenthema Umwelt, Natur, Technik und die Geländeplanungen für den Garten wurden auf diese Weise bearbeitet.

    Der Garten und die dazu geplanten Aktionen dienten zur Herstellung der Aufmerksamkeit bei Kindern und Eltern. Darüber entwickelte sich Kontakt zu den Kindern, die in den anschließenden Planungszirkeln mitarbeiteten.
    Begleitet wurden die Garten- und Geländeplanungen von dem Team JANUN, Kerstin Koller. Die Kinder entwickelten Modelle und äußerten Wünsche. Erste Ideen sind bereits in die Tat umgesetzt. So ist eine Wasserrinne entstanden, die im Sommer zum planschen, Füße baden u.a. Dingen einlädt. Der Wunsch nach Wasser war ein zentrales Element in den Gesprächen mit den Kindern. Weitere Geländeplanungen sind vorgesehen und das Grünflächenamt der LH Hannover hat große Bereitschaft für eine weitere Zusammenarbeit signalisiert, denn auch hier ist man direkt daran interessiert, gemeinsam zu planen.

    Jeden Morgen - wenn die Kinderstadt ihre Tore geöffnet hat, strömten Kinder und Erwachsene über die schöne Holzbrücke in die Kinderstadt 2000. Dieser etwas "wacklige" Eingang in die Stadt hat allen Spass gemacht.
    Mit Hilfe vieler- freiwilliger Helfer konnten wir den Zugangsbereich so gestalten, dass nur noch die Brücke als Eingang möglich war. Der normale Zugang zum Gelände war aber selbstverständlich auch geöffnet für Transporte, Rollstuhlfahrer u.a.

    Das Einwohnermeldeamt und das Touristenbüro haben die Besucher in Empfang genommen und Eltern und andere Erwachsene konnten bei Bedarf eine Führung durch das Touristenbüro der Kinderstadt erhalten. Kinder waren die Stadtführer, die Experten, und haben ihre Stadt fachkundig gezeigt.
    Das Einwohnermeldeamt betreute eine 5.Klasse der IGS Roderbruch und der Betrieb wurde auch von ihnen vorstrukturiert. Es existierten Arbeitspläne, so dass jede Schülerin und jeder Schüler der Klasse wusste, wann sie/ er "Dienst" hatte. Der Betrieb Touristenbüro wurde durch Wolfgang Zingler vom Jugend- und Familienhilfestützpunkt in der Bonhoeffer Kirchengemeinde vorbereitet und betreut.

    Das Arbeitsamt hatte in der Kinderstadt 2000, wie auch in der Wirklichkeit, eine zentrale Bedeutung. Hier war die Verteilerstelle für alle Jobs, die in der Kinderstadt zu vergeben waren. Das gab Probleme, denn die Wartezeiten beim Arbeitsamt waren zu lang. Also wurde kurzerhand eine neue Lösung gefunden: die meisten Betriebe haben eigenständig für ihre Jobs geworben und die Vergabe geregelt. Die Arbeit bei der Polizei, der Müllstation und bei einigen anderen wurde weiterhin über das Arbeitsamt vergeben. Eine gute Lösung war gefunden worden!
    Vorbereitet und betreut wurde der Betrieb Arbeitsamt von Schüler/-innen der IGS Roderbruch und deren Lehrkräften aus dem 5. Jahrgang. Wie auch in anderen Betrieben der Kinderstadt 2000 war die Schule des Stadtteils hier stark vertreten und hat vielfältige Aufgaben übernommen.

    Das Geld in der Kinderstadt 2000 hieß Kiro. Alles wurde in Kiros bezahlt und auch den Lohn für die Arbeit erhielt man bei der Kinderstadt-Bank in Kiros.
    Die Bankgeschäfte lagen in den Händen von IGS Schüler/-innen aus dem Primarbereich. Sie entwickelten den Namen und auch die Gestaltung der Geldscheine. Während des Kinderstadttages wurden immer weiter Geldscheine "produziert" und viele Arbeitsplätze sind in diesem Bereich dadurch entstanden.

    Die Betriebe in der Kinderstadt und besonders die Geschäftsideen sind in langer Vorarbeit in den einzelnen Einrichtungen mit Beteiligung der Kinder entwickelt worden. Es wurde über die Ideen Einzelner abgestimmt und die favorisierte Geschäftsidee kreativ bearbeitet. So entstanden vielfältige Betriebe: Brillenladen, Glücksladen, Puzzlewerkstatt, Steinmetzbetrieb, Müllstation, Garten, Planungswerkstatt, Inlinerbahn u.v.m.
    Viele Einrichtungen des Stadtteils oder Kooperationspartner von außerhalb haben mit Kindern diese Betriebe vorbereitet und sind dabei intensiv mit den Methoden der Beteiligung vorgegangen. So konnte man sicher sein, dass die Kinder hinter ihrer Idee standen und motiviert mitgestalteten. Einige Einrichtungen im Stadtteil waren von den Methoden der Beteiligung spontan überzeugt, so dass sie auch in anderen Zusammenhängen Zukunftswerkstätten mit Anderen planten. So z. Bsp. wird im Mädchentreff des Nachbarschaftzentrums Spielarkaden im Oktober 2000 eine Zukunftswerkstatt stattfinden und beim Traktormobil des Diakonischen Werkes in der Bonhoeffer-Gemeinde wurde im Rahmen der aufsuchenden Kinder- und Jugendarbeit im Stadtteil bereits eine Beteiligungswerkstatt durchgeführt. Initiiert durch die Arbeit an dem Projekt Kinderstadt 2000 findet somit ein Multiplikationseffekt statt, der die weitere Arbeit im Stadtteil maßgeblich beeinflussen wird.

    Das Rathaus der Kinderstadt bereitete die täglichen Bürgerversammlungen vor und hat am dritten Tag einen Kinderrat ins Leben gerufen; dieser hat die Geschicke der Stadt in die Hände genommen. Unterstützt durch den Besuch des Bezirksbürgermeisters lernten die Kinder hier ein Stück Politik zum Anfassen kennen und regelten aktuelle Probleme selbst. So wurde z. B. die Kinderstadtpolizei ins Rathaus eingeladen und dazu befragt, warum es nicht immer ohne Rüpeleien von Seiten der Polizisten zugeht. Nachdem sich die Lage bei der Polizei nicht besserte wurde für den 3. Kinderstadttag vom Kinderrat verfügt, dass nur noch Mädchen bei der Polizei beschäftigt werden. Der Kinderrat aus der Kinderstadt ist auch heute noch aktiv und hat sich schon mehrfach getroffen.
    Betreut wurde das Rathaus während der Kinderstadt vom Kreisjugendring der AWO, Rollende Baustelle, Frank Auracher und Team. In täglichen Bürgerversammlungen am Ende des Kinderstadttages berichteten Rathausmitarbeiterlnnen von den aktuellen Themen. Kinder, die sich für eine Mitarbeit im Rathaus entschieden, führten die Bürgerversammlungen mit durch und holten Meinungen der Kinder ein. Am dritten Tag in der Kinderstadt 2000 wurde der Kinderrat gegründet und in engagierter Weise wird dieser auch von Frank Auracher weiterbetreut. Ein Besuch des Kinderrats in der Bezirksratssitzung Buchholz-Kleefeld am 7.9.00 hat zu einem ersten Austausch zwischen den Kindern und den Stadtteilpolitikerlnnen geführt.

    Der Spass und das Bühnenleben sind natürlich auch ganz wichtige Elemente in der Kinderstadt und so widmete sich der Clown Fidolo vom Ben Guri Theater dem Strassentheater und arbeitete spontan mit Kindern, die in der Stadt unterwegs waren. Der Kinderzirkus Bambini der IGS Roderbruch erfreute durch seine tollen Aufführungen das Publikum und das Bühnenzelt wurde durch Musik und Tanz von Kindern und Jugendlichen belebt.
    Betreut wurde die Bühne technisch vom Kulturtreff Roderbruch. Auch Musik- und Ballettgruppen des Kulturtreffs sind aufgetreten. Ebenso die Tanzgruppe des Karnevalsvereins Blau Weiss, die Tanzgruppe des PSV, die Klasse 2/2 der IGS Roderbruch und andere. Die Kinder hatten auch viel Spass daran, außerhalb des offiziellen Programms ihr eigenes Bühnenprogramm zu entwickeln.

    3 Tage Kinderstadt 2000 liegen hinter uns und der Dank für die engagierte Vorbereitung, die über ein Jahr die Arbeit in den Einrichtungen bewegt hat, gilt allen Stadtteilkolleginnen und -kollegen und ihren Kindern, ebenso wie den beteiligten Lehrerinnen und Lehrern, den Schülerinnen und Schülern und den Kooperationspartnern "von außen". Wir konnten eine gute, fachlich professionelle Anleitung zu den Beteiligungsmethoden für die interessierten Erwachsenen im Rahmen einer Fortbildung mit dem Team Lüneburg ermöglichen - hier gilt der Dank dem Amt für Jugend und Familie der LH Hannover. Der Einsatz von Moderatoren in den Zukunftswerkstätten wurde ermöglicht durch eine Förderung über das Landesjugendamt im Rahmen der Gemeinschaftsaktion "Niedersachsen ein Land für Kinder".
    Einige Dinge sind sichtbar für alle und nutzbar für alle aus der Kinderstadt 2000 "übrig" geblieben und wirken nachhaltig in die Stadtteilarbeit: dazu zählt im besonderen der Garten vor dem Spielparkhaus. Bis jetzt noch nicht ganz fertiggestellt, aber auf dem Weg! Hier gilt insbesondere der Dank dem Bezirksrat Buchholz-Kleefeld und dem Grünflächenamt. Die Kinder im Spielpark Roderbruch werden die Geländeumgestaltungen weiterhin mitplanen und werden unterstützt durch Kerstin Koller, JANUN. Ebenso ist der Kinderrat aus der Kinderstadt 2000 aktiv und besuchte aktuell den Bezirksrat, um sich vorzustellen und Zusammenarbeit anzubieten.
    Gefördert als besonderes Projekt wurden wir auch von der Aktion Mensch e.V. Ebenfalls unterstützte das Projekt die Stadtsparkasse Hannover, die Bürgerstiftung Hannover, der Stadtjugendpfleger, Bingo Lotto, Proklima Hannover, das Amt für Jugend und Familie der LH Hannover mit Mitteln zur Präventionsarbeit und das Kulturamt der LH Hannover. Wir bedanken uns dafür, ohne diese Hilfen wäre das Projekt nicht in dieser Form möglich gewesen.

    In einer umfassenden Dokumentation werden wir das Projekt ausführlich darstellen.