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Bunte Gärten Leipzig

Geschrieben von Anke-Maria Kops-Horn am .

Kontakt:

Brückenschlag e.V., Anke-Maria Kops-Horn, Schulstr. 38, 04316 Leipzig, Telefon: (0341) 65 14 960, Fax: (0341) 97 39 364, e-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, web: http://www.bunte-gaerten.de

Zusammenfassung

Anliegen des Projekts "Bunte Gärten Leipzig" ist die Förderung der Integration von Asylbewerbern und anerkannten Flüchtlingen. Es wird auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei durchgeführt. Ein wichtiger Baustein des Projekts besteht darin, mit Flüchtlingen aus verschiedenen Ländern Gemüse, Kräuter und Blumen anzubauen. Die aktive, gemeinsame Betätigung dient insbesondere dazu, Vertrauen bei den Flüchtlingen zu bilden, ihre Isolation aufzubrechen und Kontakte zu erleichtern. Dies bildet die Basis für sprachliche Förderung und allgemeine Qualifizierung der Migranten durch in das Projekt integrierte Kurse und Bildungsangebote. Die Finanzierung dieser Integrationsangebote wird zum Teil dur ch den Verkauf von Überschüssen aus der Gärtnerei erwirtschaftet. Damit erhält die Betätigung in der Gärtnerei eine zusätzliche und für die Flüchtlinge unmittelbar erkennbare sinnvolle Komponente. Die "Bunten Gärten Leipzig" stellen so einen interkulturellen und sozialen Lebensraum dar, der Betätigung, Kommunikation, Beratung und Weiterbildung miteinander verbindet.


Problematik

Situation von Asylbewerbern

Die Lage der Asylbewerber in Leipzig ist geprägt durch die Bedingungen ihrer Unterbringung in Sammelunterkünften, in denen sie in der Regel viele Jahre zubringen müssen. Die meisten haben keine oder noch keine Arbeitserlaubnis, in einigen Heimen wird ihnen das Kochen und Wäschewaschen abgen ommen. Resultat ist eine verordnete Untätigkeit, die in Kombination mit der extremen Enge und Ghettosituation der Heime, der Sorge um ihr Bleiberecht und dem Gefühl, bei Behörden wie Bevölkerung überwiegend unwillkommen zu sein, überaus belastend und lähmend wirkt. Dies hat psychische (Depressionen, Apathie, Aggressivität) wie physische (häufige Kopfschmerzen, Magenleiden etc.) Konsequenzen, die vom Heimpersonal nicht annähernd aufgefangen werden können.

Situation anerkannter Flüchtlinge

Nach Anerkennung des Asyls oder des Flüchtlingsstatus' können die Migranten in Mietwohnungen in der Stadt umziehen; in seltenen Fällen wird dies auch schon Asylbewerbern gestattet. Obwohl dies in vielfacher Hinsicht eine Erleichterung für die Flüchtlinge darstellt, setzt sich ihre Isolation häufig fort und verschärft sich teilweise sogar (in Einzelfällen haben Familien schon um Rückverlegung ins Heim ersucht). Dies ist sicherlich nicht zuletzt dem vergleichsweise niedrigen Ausländeranteil an der Leipziger Bevölkerung zuzuschreiben. Insbesondere die Situation der Frauen aus islamischen Ländern wird nach unserer Erfahrung häufig sehr schwierig: sie vereinsamen und haben kaum noch Gelegenheit, die deutsche Sprache anzuwenden.


Projektträger

Ziele des Brückenschlag e.V.

Der Verein Brückenschlag e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, Asylbewerber und andere ausländische Migranten zu unterstützen, interkulturelle Begegnungsmöglichkeiten anzubieten, die Verständigung zwischen Ausländern und Deutschen sowie die Integration der Migranten in den deutschen Alltag zu fördern.

Bisherige Arbeit des Vereins

Der Verein wurde ursprünglich von einer Gruppe von Bürgern gegründet, die sich ehrenamtlich um Flüchtlinge im Asylbewerberheim Leipzig-Mölkau kümmern. Unter den ca. 120 Menschen leben hier Familien aus Afghanistan, China, Iran, Irak, Kosovo, Libanon, Syrien und der Türkei. Der Verein bietet Hausaufgabenbetreuung für die Kinder an, vermittelt Deutschkurse, ist bei Arzt- und Behördengängen behilflich, informiert über Asylrechtsfragen, stellt Kontakte zu Rechtsanwälten her oder berät in alltäglichen Dingen. Einen Schwerpunkt der Arbeit bildet die Unterstützung der Flüchtlingsfrauen. Regelmäßige Treffen mit den Frauen im Heim dienen dazu, Kontakte aufzubauen und Vertrauen zu bilden.

"Bunte Gärten Leipzig"

Das Projekt wurde als Pilotprojekt 2001 in einem Kleingarten gestartet und mit Anmietung eines etwa 1 ha großen Gärtnereigeländes 2002 auf eine größere Basis gestellt. Der Verein betreibt das Projekt bislang ausschließlich ehrenamtlich.


Projekt "Bunte Gärten Leipzig"

Gemeinsamer Garten

Zentrale Basis des Gesamtprojekts bildet das gemeinschaftliche Aussäen, Pflegen und Ernten von Gemüse und Kräutern durch Menschen verschiedener Nationen auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei der Stadt Leipzig. Das Gelände ist ca. 1 ha groß, beinhaltet ein Gewächshaus, mehrere Container mit Büro- und Aufenthaltsräumen sowie Geräteschuppen. Unmittelbare Anbindung an   das öffentliche Verkehrsnetz ist gegeben. Den beteiligten Flüchtlingsfamilien (oder Einzelpersonen) werden Parzellen zur eigenen Bewirtschaftung zugewiesen; wichtig ist aber auch das Bepflanzen und Pflegen gemeinsamer Flächen, um in der Planung, Diskussion über (ökologische) Anbaumethoden und gegenseitigem Kennenlernen unbekannter Gemüse- und Kräuterarten die Kommunikation der Teilnehmer untereinander zu fördern.
Ziel ist es, die Flüchtlinge durch die aktive, gemeinsame Betätigung aus der Isolation und Apathie der Heime zu befreien. Sie erhalten die Chance, wieder aktiv zu sein, die persönliche Entfaltung der beteiligten Menschen wird gefördert. Durch den Anbau von Pflanzen aus den Herkunftsländern wollen wir auch ein Stück Heimat vermitteln.
Wesentlich für den Erfolg des Projektes ist es, die Flüchtlinge von Beginn an in Planung und Durchführung einzubinden. Hier lässt das Projekt Raum für eine Vielzahl von Aktionen, für Gestaltung, Informations- und Erfahrungsaustausch: so beim Konstruieren einer Auffangmöglichkeit von Regenwasser; der Integration der Kinder in das Projekt durch Beete, die sie selbst bearbeiten können; einem gemeinsam entworfenen und angelegten Kinderspielgelände; der (Um)gestaltung von Lagerschuppen für Gartengeräte; Planungen zur Anzucht von Jungpflanzen in Gewächshaus oder Frühbeetkasten; Kompostierung und ökologischer Düngung; bei alternativen Anbauweisen wie Hügelbeeten, Kräuterspiralen und Mischkulturen; dem Bau eines Steinofens, und vielem mehr.
Hierbei können sich die Flüchtlinge gemäß ihrer Fähigkeiten, Berufe und Vorbildung unterschiedlich einbringen: Der afghanische Journalist kann sich an der Öffentlichkeitsarbeit des Projekts beteiligen; die afghanische Lehrerin bei der Alphabetisierung helfen; kurdische Handwerker sich bei Baumaßnahmen einbringen usw. Dadurch wird nicht nur den Asylbewerbern und Asylanten die Möglichkeit einer sinnvollen Aktivität gegeben: die Kommunikation in Deutsch wird dadurch kontinuierlich geübt und verbessert, und es wird möglich, ihren Förderbedarf wie ihr Potenzial einschätzen zu lernen, um ihnen gezielte Unterstützung für eine spätere Eingliederung in den Arbeitsmarkt gewähren zu können.

Integration durch Sprachförderung und kulturelle Angebote

Aufbauend auf dem Gartenprojekt soll durch in das Konzept der "Bunten Gärten" integrierte Förder- und Weiterbildungsmaßnahmen die Integration der Migranten in den deutschen Alltag unterstützt werden. Zunächst steht dabei die sprachliche Förderung im Vordergrund: Deutsch-, Konversations- und Alphabetisierungskurse sind oder werden aufgebaut. Darüber hinaus stehen Computer mit Internetzugang und Sprachkursen auf CD-Rom zur Verfügung. Ein Abonnement wichtiger internationaler Zeitungen ist in Planung.
  Für Kinder konnte aus vielen gespendeten deutschen Kinderbüchern bereits eine kleine Leihbibliothek erstellt werden, die weiter ausgebaut wird. Ferner bietet der Verein Brückenschlag regelmäßige Hausaufgabenhilfe für ausländische Schüler in den Mölkauer Grund- und Mittelschulen an. Dieses Angebot wird in das Projekt "Bunte Gärten" integriert und weiter ausgebaut werden. Eine Zusammenarbeit mit Jugendzentren ist in Planung, mit dem Ziel, deutsche Jugendliche in das Projekt mit einzubeziehen, Kontakte zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen herzustellen und dadurch Akzeptanz zu fördern und zum Abbau von Spannungen beizutragen.
Die Kosten für die kulturellen Angebote und Kurse können nicht aus den Fördermitteln allein bestritten werden. Aus dieser Situation heraus ergibt sich die Notwendigkeit, die Gärtnerei auch produktiv zu nutzen und angebautes Gemüse, Kräuter und andere Produkte zum Verkauf anzubieten. Da das Projekt nur ehrenamtlich betrieben wird, ist dies ist aber nur möglich, wenn die Asylbewerber sich an der Erwirtschaftung der Erträge aktiv beteiligen. Für Mithilfe bei der Instandhaltung und Nutzung der Gärtnerei können die Flüchtlinge zwar kein Geld, wohl aber einen Anspruch auf die Bildungs- und Integrationsangebote erhalten. Dadurch konnten wir bereits für eine Reihe von Asylbewerbern einen für sie ansonsten unerschwinglichen Deutschkurs an der Volkshochschule finanzieren sowie einen Computer für die Nutzung durch die Flüchtlinge anschaffen.

Bisheriger Verlauf des Projektes

Im Frühjahr 2002 startete das Projekt auf dem Gärtnereigelände mit der Übernahme eines Gewächshauses, in dem dann zusammen mit 6 Asylbewerberfamilien aus der Türkei und aus Afghanistan aus gespendetem ökologischem Saatgut Jungpflanzen vorgezogen wurden. Seit Mai konnten Außenflächen für den Anbau genutzt werden; ca. 20 Parzellen wurden an Familien und Einzelpersonen zur Eigennutzung verteilt. Bis zum Sommer waren so etwa 60 Flüchtlinge in das Projekt integriert. Es handelt sich zum größeren Teil um Asylbewerber aus Sammelunterkünften, die keinerlei Anspruch auf öffentliche Integrationsmaßnahmen haben. Etwa ein Viertel der Teilnehmer sind Flüchtlinge, die bereits dezentral in Wohnungen untergebracht sind, zum Teil solche, die bereits anerkannt sind. Sie kommen nicht nur aus dem nahe gelegenen Heim in Mölkau (ca. 2 km entfernt), sondern auch aus anderen bis zu 20 km entfernten Leipziger Stadtteilen und Vororten. Die Zahl der Teilnehmer hat sich im Jahr 2003 noch etwa verdoppelt.
Von den bislang beteiligten Flüchtlingen wird das Projekt sehr positiv angenommen. Dabei ist besonders positiv, dass viele beteiligte Flüchtlinge bereits selbst an Planung und Gestaltung des Projekts Anteil haben wollen und Verantwortung mit übernehmen. Die auch produktive Nutzung der Gärtnerei zur Erwirtschaftung von Geldern für Bildungsangebote geht nicht zuletzt auf Anregungen der Asylbewerber selbst zurück und wurde mit ihnen gemeinsam diskutiert und entwickelt. Für die Bildungsangebote wurden neben dem Aufbau der Kinderbibliothek bereits Computer angeschafft und Räume angemietet. Ein Deutschkurs wird regelmäßig angeboten.
Für den Verkauf von Produkten aus den "Bunten Gärten Leipzig" wurde ein alter Schuppen auf dem Gelände renoviert und als  Verkaufs- und Ausstellungsraum ausgebaut. Ferner sind die Bunten Gärten im Sommer mit einem Markstand auf dem Wochenmarkt in der Leipziger Innenstadt präsent.
Ehrenamtliche Helfer rekrutierten sich zunächst aus dem Verein; zunehmend beteiligen sich Studenten der Universität Leipzig mit großem Einsatz sowie weitere Helfer, sogar Senioren aus einer nahe gelegenen Seniorenresidenz.

Finanzierung

Die Finanzierung der Startphase des Projekts wurde möglich durch Preise der Leipziger Agenda 21 im Jahr 2001 und des USable-Wettbewerbs der Hamburger Körber-Stiftung 2002. Weiter Unterstützung erhielt das Projekt durch den Rockefeller Flow Fund, Club International e.V. Merseburg, Soroptimist International Club Leipzig und private Spender. Für Produkte der "Bunten Gärten Leipzig" wurde eine Vielzahl von Abnehmern gefunden (Restaurants, Kantinen, Floristikgeschäfte, Privatpersonen), an die u.a. Peperoni, Bohnen, Tomaten, Zucchini, Kräuter und Zierpflanzen verkauft werden konnten. Dies soll eine feste Säule der Finanzierung für die nächsten Jahre werden, kann aber voraussichtlich nur die Kosten der Bildungsangebote decken. Für Pacht und Nebenkosten wird das Projekt vorerst weiter auf Zuschüsse angewiesen sein.