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Aneignung städtischer Räume: Park Fiction - ein persönlicher Bericht

Geschrieben von Sabine Stövesand am .

Kontakt:

Sabine Stövesand, HAW Hamburg/FB Sozialpädagogik, Saarlandstraße 30, 22303 Hamburg, Tel.: 040 - 42875 - 7095, email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!" ' + path + '\'' + prefix + ':' + addy44766 + '\'>'+addy_text44766+'<\/a>'; //-->


"Park Fiction" steht für die Durchsetzung, die öffentliche Planung und selbstbewusste Aneignung eines Stadtteilparks in Hamburg, St.Pauli – initiiert, erstritten und entworfen von einem vielfältigen Stadtteilbündnis.

Jenseits der Bescheidenheit

In Gärten und Parks spiegelten sich immer schon die Wünsche und Ideale einer Epoche, sei es im englischen Landschaftsgarten oder in Disneyworld. Bezugspunkt von Parks ist das Paradies. Die Gartenkunst schafft Orte irdischen Vergnügens und Parks versprechen ein glückliches Leben, befreit von der Arbeit, abseits des Alltags. Ein solches Versprechen in St. Pauli aufzugreifen, dem Stadtteil mit der ärmsten Wohnbevölkerung Hamburg, mit der höchsten Verdichtung, enormer Verkehrs- und Lärmbelastung durch Massentourismus und Hafenbetriebe hieß, eine subversive Forderung zu stellen.
Der Wunsch, den Alltag zu überschreiten findet sich noch in der elendsten Sozialwohnung, verkapselt z.B. in Kitschobjekten 2). Und an diesen Wünschen hat Park Fiction angeknüpft. Der konkreten Parkrealisierung ging als Beteiligungsprozess eine kollektive Wunschproduktion im Stadtteil voraus. Ein Leitmotto von Park Fiction war immer: Die Wünsche werden die Wohnung verlassen und auf die Strasse gehen.
Das Projekt hat in seinem Verlauf 1000nde von St.PaulianerInnen auf die Beine gebracht, hat Blüten getrieben, hat zur aktiven Aneignung eines Stadtteils beigetragen, in dem das Leben für die meisten alles andere als einfach ist. Es ist ein Beleg dafür, dass es sich lohnt, bei Planungsprojekten ungewöhnliche Wege zu gehen und Soziale Arbeit, Politik und Kunst zusammenzubringen. Gerade Kunst kann Sachen so auf den Punkt bringen, dass sich plötzlich innere Räume eröffnen, ein spontanes Verständnis von Zusammenhängen möglich wird und das Begehren nach einem Leben, das die gewohnten Einschränkungen und Hierarchien hinter sich lässt, geweckt wird. Und genau darum geht es für mich bei BürgerInnenbeteiligung: Um die Frage danach, wem eigentlich die Stadt gehört, um die Wünsche der Vielen und die Vielheit der Wünsche, um die Realisierung eines besseren Lebens, gerade mit denen, die in der Regel nicht die Ressourcen haben, die Stadt zu gestalten und anzueignen. Es geht um mehr als um Techniken kurzfristiger Mobilisierung, um die Verhinderung von Reibungsverlusten in der Stadtplanung oder die Nutzung des Selbsthilfepotentials von Menschen, denen ansonsten nicht viel geblieben ist. Es geht um Vorstellungen von einem guten Leben. Heute in Zeiten von Hartz IV, wo Demütigung und Arbeitszwang, Bescheidenheit und Verzicht für die, die ohnehin nicht viel haben, Alltag werden sollen, halte ich das für besonders wichtig.


Und ...: Action!

Ausgangspunkt der Aktivitäten war 1994 eine vermüllte Freifläche am Hafenrand in St. Pauli. Das Charmante an ihr waren ihre Lage am Wasser und der weite Blick, den sie bot. Das einzige, was im Stadtteil an kostenloser Schönheit für alle BewohnerInnen zugänglich war. Ursprünglich sollte diese letzte Freifläche oberhalb der Elbe in St.Pauli zugebaut werden. Gegen den Verlust des freien Blicks auf Fluss und Hafen und angesichts von massivem Mangel an Grünflächen forderten AnwohnerInnen, Pastoren, KünstlerInnen, Gewerbetreibende, SozialarbeiterInnen stattdessen einen Park. Sie trafen sich in den Räumen der GemeinWesenArbeit St.Pauli-Süd 3) und arbeiteten in der Stadtteilinitiative "Hafenrandverein für selbstbestimmtes Leben und Wohnen in St.Pauli e.V." zusammen. Hilfreich war, dass aus der langen Zeit der Auseinandersetzungen um Hausbesetzungen am Hafenrand gute Kontakte untereinander im Stadtteil und viele nützliche Erfahrungen existierten.
Nach 2,5 Jahren fruchtloser Gespräche mit PolitikerInnen, Stadtteilversammlungen, Unterschriften sammeln, Straßenfesten, Ausstellungen und einer Theatergruppe, die sich bis zu den Hüften auf der Fläche eingrub, um Texte zu rezitieren, wurde die begehrte Fläche kurzerhand in Besitz genommen. Ein leuchtendes "Park"schild, das dem bunten Neonflair St.Paulis entsprach, wurde aufgestellt. Eine wilde Mischung aus NachbarInnen säuberte die Fläche, sammelte dreineinhalb Tonnen Müll, pflanzte Blumen und baute Bänke und einen großen Grill. Das Baumaterial spendete ein örtlicher Unternehmer und ein sympathisierender Förster organisierte sogar einen Kletterbaum aus dem Wald als Spielgerät für das Gelände.
Ein halbes Jahr später hatte die Stadt der Umwidmung des größten Teils der Fläche zum Park zugestimmt. Ausschlaggebend war letztlich die Schließung des lokalen Krankenhauses im Stadtteil, die zu großer Empörung führte, die wiederum in massenhaftes Engagement umschlug und zwar genau im Jahr der Hamburger Landtagswahlen. Das Krankenhaus wurde teilweise besetzt, die Huren in der Herbertstrasse streikten kurzfristig, es gab wöchentliche Demonstrationen. Um die Lage zu beruhigen wurde dann ein "Runder Tisch" unter Regie des Stadtentwicklungssenators gebildet und u. a. beim Park Zugeständnisse gemacht. Mitte 1997 hieß es dann: Der Park kommt! Zwar nicht auf der geforderten Gesamtfläche, aber doch auf dem größten Teil. Auf einer Restfläche setzt die Stadt eine Bebauung durch. Immerhin wurde die Fläche für ein integratives, selbst verwaltetes Wohnprojekt .- das "Parkhaus" - reserviert 4).


Wünsche verlassen die Wohnungen

Mit städtischer Unterstützung konnte die Stadtteilinitiative anschließend ein Planungsbüro am Gelände aufstellen, einen Container, von dem aus die Wunschproduktion, die Planung des Parks und allerlei Aktionen angekurbelt wurden. Die Form war eine ironische Anspielung auf den roten Container am Potsdamer Platz, in dem die Bevölkerung die fertigen Vorschläge zur Gestaltung des Platzes bewundern und kommentieren, aber nicht beeinflussen konnten. Form und Farben spielten bei Park Fiction insgesamt eine große Rolle. Mit Silber und Rot, einem Logo und einem bestimmten Grafikdesign verpasste sich die Initiative eine "corporate identity" als Parkgruppe, die einerseits ebenfalls ironischer Kommentar war, andererseits dem ganzen Projekt Profil und Wiedererkennungswert gab. Finanziert von der Kulturbehörde, der Umweltbehörde und unterstützt von der GWA St.Pauli-Süd standen die Mitglieder der Park-Fiction-AG, bestehend aus AnwohnerInnen mit professionellen Kompetenzen im Bereich Kunst, Moderation, Landschaftsplanung und Aktivierungsmethoden, für Fragen und Ideenaustausch zur Verfügung 5).
In den nächsten sechs Monaten war der Container regelmäßig geöffnet. Er enthielt eine kleine Gartenbibliothek, Pläne, Knet- und Zeichenmaterial und Tische, die die Grundform des Parks abbildeten. Die verschiedenen Elemente des Planungsprozess konnten auf einer Vorlage nach Art eines Brettspiels ausgewürfelt und nachvollzogen werden. Außerdem gab es die "Park-Hotline" - Telefon und Anrufbeantworter z.B. für Leute, die nachts ihre besten Einfälle haben und sie direkt loswerden wollten. Im Container konnte man sich auch walk-men ausleihen. Eine Cassette mit Ton- und Textcollagen führte über das zukünftige Parkgelände und durch einen imaginären Park.
Zur Eröffnung wurde der Container von der Schulleiterin standesgemäß mit Erdbeersekt getauft und es wurden Torten vom örtlichen Konditor verlost, auf denen kleine Transparente prangten, die besagten : "gewünscht -gefordert- gewonnen" oder "planen-bauen-genießen". Außerdem wurden die Planungsmaterialien vorgestellt. Kernstück war das "actionkit", ein mobiles Planungsbüro in einem Silberkoffer. Es bestand aus einem aufklappbaren Hafenpanorama mit Parkfläche, einfache Pläne der Flache, in die reingemalt werden konnte, einen Fragebogen, Bastelmaterial, Polaroidkamera, Beispiele aus der Gartenkunst und Collagen, um die Phantasie anzuregen. Damit wurden Hausbesuche in der näheren Umgebung gemacht. Die Leitidee war, dass im öffentlichen Planungsprozess die Park-Wünsche der Leute die Privatheit der Wohnung verlassen, sozusagen auf die Straße gehen, sich in Pläne, Zeichnungen, Knetmodelle verwandeln, andere Wünsche anregen, sich mit ihnen streiten und Raum beanspruchen.
Allerdings mussten wir feststellen, dass das Wünschen vielen, besonders den Erwachsenen, abhanden gekommen ist. Die Ideen waren häufig sehr allgemein (z.B. Blumen, Wiese, Wasser, Entspannung) und die Erfahrung, selbst zu gestalten war ungewohnt. Meistens brauchte das etwas Anwärmzeit. Wir fragten nach Plätzen, nach Parks an denen sich die Leute gerne aufhalten, nach Urlaubserfahrungen, nach Fotos, nach Erinnerungen an Orte der Heimatstädte, nach den Pflanzen auf der Fensterbank oder nach Landschaftsdarstellungen auf Fotos und Gemälden in der betreffenden Wohnung. Das Infomaterial gab es auf Deutsch und Türkisch, Hausbesuche wurden zum teil von türkischsprachigen Honorarkräften, die selbst aus dem Stadtteil stammten, durchgeführt. Manche BewohnerInnen wollten nicht glauben, dass ihre Meinung wirklich gefragt ist. Einige machten erst gar nicht die Haustür auf. Dennoch kamen nach und nach phantastische Ideen zusammen.
Zusätzlich wurden Gruppen im Stadtteil besucht und befragt - Schulklassen, Altentagesstätte, Frauencafé. Kinder aus dem Kinderhaus - einer stationären Einrichtung aus dem Bereich Hilfen zur Erziehung - bastelten ein komplettes Parkmodell inklusive Heckenlabyrinth, Open-air-Kino und einem erdbeerförmigen Baumhaus.
Der ganze Planungsprozess wurde begleitet von zahlreichen "Infotainment"-Veranstaltungen im Stadtteilzentrum der GWA-St.Pauli-Süd. Ein weit gereister Anwohner entführte einmal ca. 120 BesucherInnen per Diaschau auf eine Reise durch japanische, indische, chinesische, schottische, italienische und französische Parks. Farben, Formen und Symbole - das graue St.Pauli entschwand - persönliche Gartenutopien entstanden hinter blassen Winterstirnen und regten den Planungsprozess an. Abgerundet wurde die Gartenkunde durch Exkusionen in verschiedene Parks im Umland.
Ein weiterer Abend drehte sich um die Wahrnehmung städtischer Räume, um "Tempo in der Stadt", es referierten ein Skateboarder und ein Architekt. Ein anderes Mal gab ein Feng-Shui-Experte Anregungen für räumliche Gestaltung. Sehr schön auch eine Veranstaltung zu "Türkischen Teegärten": die Gäste saßen an kleinen Tischen, es war mit Palmen und orientalischen Teppichen dekoriert, Früchte und natürlich Tee wurden gereicht. Dazu erhielt man Informationen darüber, wie Tee und Kaffee nach Europa kamen, wie ein türkischer Teegarten aussieht und Geschichten aus dem osmanischen Gartenleben wurden erzählt. Es gab auch einen Abend, an dem die Ausgrenzung von Obdachlosen, Drogenkranken und anderen, die nicht in die heile innerstädtische Konsumwelt passen, aus dem öffentlichen Raum thematisiert wurde und das "Kölibri" sich in eine Suppenküche verwandelte. Für viel Aufsehen sorgten auch die Arbeiten zu einem Film über das Parkprojekt, in die der halbe Stadtteil einbezogen war 6). In einem S-Bahn-Schaufenster wurde Werbung für den Park und fürs Mitmachen gemacht.
Die Wunschsammlung führte zu beeindruckenden Ergebnissen:

  • 200 ausführliche Hausbesuchsinterviews
  • 300 ausgefüllte Fragebögen
  • 1000 Kurzinterviews im und rund um den Planungscontainer
  • 50 ausgefüllte Parkpläne
  • 100 Zeichnungen
  • 50 Detailmodelle
  • 10 Gruppenbesuche
  • 50 Beteiligte an Videofilmen über Parkwünsche

Alle Wünsche wurden schließlich nach Kategorien sortiert, im Überblick dargestellt, in Pläne und Collagen eingearbeitet und auf mehreren Stadtteilversammlungen vorgestellt, diskutiert, verändert. Dabei entschieden die Anwesenden gemeinsam über die Funktionen der verschiedenen Parkflächen. Sie unterstützten oder kritisierten die verwegenen Entwürfe detailverliebter AnwohnerInnen. Es war kompliziert, eine demokratische Auswahl mit der radikalen Subjektivität von Einzelentwürfen zusammen zu bringen. Heraus kam das Modell eines Park mit vielen "Zimmern", bzw. "Inseln" d.h. von einander abgegrenzten Flächen, die den unterschiedlichen Gestaltungsideen und Wünschen nach Ruhe, Geselligkeit, Bewegung und der "Hundefrage" Rechnung tragen. Wichtig war die Idee eines "Park für Alle", das Bestehen auf einem öffentlichen Raum, der entgegen dem Trend, ohne Ausgrenzung von Bevölkerungsgruppen und ohne kommerzielle Nutzungen funktioniert. Alle AnwohnerInnen wurden über eine Hauswurfsendung, der ParkFictionPost (1998) über den Prozess und die Ergebnisse informiert.


Die Zeit ist ein langer, zäher Fluss

Während die Initiative den Planungsprozess in der vorgesehenen Zeit organisierte, begann anschließend die lange Zeit der zähen Verhandlungen über die Umsetzung. Sieben städtische Behörden plus zwei Bezirksämter waren neben den AnwohnerInnen und dem Landschaftsarchitekten 7) ihres Vertrauens beteiligt. Die StadtteilaktivistInnen wohnten mitunter fassungslos einem Lehrstück in Sachen "Behörden blockieren sich gegenseitig" bei. Insgesamt saßen BewohnerInnen und VertreterInnen von Stadtteilpojekten von 1997 – 2002 mit BehördenmitarbeiterInnen regelmäßig an Runden Tischen, rannten zu Ausschüssen, wurden alt und älter, verloren MitstreiterInnen, gewannen punktuell neue und der Park war nicht in Sicht. Unschöne Zwischenspiele mit doppelzüngigen Investoren und fiesen Polizeieinsätzen verbesserten die Lage nicht gerade.
Als es gar nicht mehr weiter zu gehen schien, machte Park Fiction international Furore. Es wurde als einer der wenigen deutschen Beiträge auf der Documenta 11 in Kassel präsentiert. Das Feld der Kunst, in seiner Bedeutung von vielen PolitikerInnen häufig unterschätzt, brachte dem Projekt neuen Schub.
In diesem Kontext muss unbedingt der Documenta-Besuch von Kindern aus St.Pauli erwähnt werden. Auf Initiative der ParkFiction KünstlerInnen Christoph Schäfer und Margit Czenki ging es im Vereinsbus vom FC St. Pauli nach Kassel. Es gab für die Kinder eine eigene Führung. Und sie konnten sich und ihre Ideen in einem öffentlichen, einem wichtigen und wertschätzenden Kontext wieder finden. Jede/r, die in einem sogenannten benachteiligten und stigmatisierten Stadtteil arbeitet, kann sich vielleicht vorstellen, wie toll und besonders das ist.
Nun: Der Parkentwurf wurde genehmigt, obwohl das Gartenbauamt ihn wegen der Inselflächen nicht für "sitzrasenmähertauglich" hielt. Die NachbarInnen vom Wohnprojekt "Parkhaus" haben sich letztlich zum Mähen der Parkinseln bereit erklärt und dazu einen Rasenmäher von der Stadt erhalten. Die konkrete Umsetzung zieht sich hin. Der erste Bauabschnitt mit künstlichen Palmen, Teeinsel, fliegendem Teppich und Hundewiese ist 2003 eingeweiht worden. Auf einem Teilstück, dem Kirchgarten, gibt es mittlerweile MieterInnengärten, die in 2004 zum 1. Mal erblüht sind. Die restliche Fertigstellung wurde von der Stadt erst einmal auf Eis gelegt. Dann aber hat eine städtische Behörde unabgesprochene Bauarbeiten auf der Fläche vorgenommen, die Straße aufgerissen, die Pflastersteine entwendet für eine andere Baustelle und eine Sand- bzw. Schlammpiste hinterlassen. Es gab Proteste, die Sache war peinlich, die Stadt geriet in Zugzwang und schließlich wurde entschieden, dass die Parkfertigstellung vorgezogen wird.
Seit Ende November 04 baggern die Bagger - es geht voran!


Fazit

Hindernisse und Problematisches:

  • Ein jahrelanger massiver Protest, eine unglaubliche Fülle von Aktionen, Besetzungen, Wahlkampf und die eine internationale Kunstausstellung waren erforderlich um den Park durchzusetzen. Das ist zu viel angesichts des Anliegens - ein kleiner, von BürgerInnen selbst geplanter Park für einen stark problembelasteten Stadtteil, der einen eklatanten Mangel an Grün- und Freiflächen aufweist.
  • Es dauerte zu lange, bis konkrete Ergebnisse im Stadtteil zu sehen waren.
  • "Etategoismus", Konkurrenz und mangelnde Kooperation der beteiligten Behörden
  • gezielte Störmanöver einzelner PolitikerInnen
  • Differenzen verschiedenster Art in der Stadtteilinitiative, Professionalisierungs- und Hierarchisierungsprozesse, Auseinanderfallen
  • kein klarer Ansprechpartner für den Stadtteil mehr
  • unzureichende Finanzierung, z.B. kein Erdbeerbaumhaus und kein SeeräuberInnenbrunnen
  • der Park könnte zum Monument erstarren statt als soziale Skulptur zu funktionieren (z.B. Reklamation von Autorenschaft u. Definitionsmacht durch beteiligte Künstler)
  • Park als Element des stattfindenden Aufwertungsprozesses

Unterstützende bzw. Erfolgsfaktoren:

  • Kreativität, Anschaulichkeit und Präzision von Aktionen und Informationsgestaltung
  • Unterschiedlichkeit der Aktionsformen – für alle war etwas dabei, die Flexibilität in ihrer Anwendung
  • die Tatsache, dass die InitiatorInnen allesamt aus dem Stadtteil kamen und nicht nur kurzfristige Interessen hatten
  • die lange Geschichte von Protest und Selbstorganisation in St. Pauli, das Vorhandensein von Netzwerken im Stadtteil
  • die unterschiedlichen Kompetenzen und Beziehungen und das wechselseitige Sich-schlau-machen der AktivistInnen
  • das Vorhandensein von Räumen, Kopierern etc.
  • Fakten schaffen durch Aneignung der Fläche
  • ansprechbar und sichtbar sein, z.B. beim Gärtnern auf der Fläche
  • öffentliche Gelder, sympathisierende PolitikerInnen in entscheidenden Positionen
  • wiederholte persönliche Ansprache zahlreicher PolitikerInnen, go-ins bei Bezirksversammlungen
  • sympathisierende Gewerbetreibende,
  • "wichtiger" Stadtteil
  • lange Unterschriftenlisten, volle Stadtteilversammlungen
  • umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit, raus aus dem Büro
  • eine mit der etablierten Politik massenhaft unzufriedene Stadtteilbevölkerung
  • die Mischung von Kunst, Politik und Sozialarbeit

Der Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. In der mittlerweile 10-jährigen Geschichte hat es noch sehr viel mehr Aktionen und Ereignisse, Reaktionen und Erlebnisse sowie AkteurInnen gegeben als hier aufgeführt sind.


Fußnoten:

1.) Der Artikel erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. In der mittlerweile 10-jährigen Geschichte hat es noch sehr viel mehr Aktionen und Ereignisse, Reaktionen und Erlebnisse sowie AkteurInnen gegeben als hier aufgeführt sind. Zu meiner Person: Langjährige Tätigkeit in verschiedenen Feldern Sozialer Arbeit (Frauenhaus, Gemeinwesenarbeit St. Pauli-Süd), 1998 bis 2002 Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur Hamburg, z.Zt. Förderprofessur am FB Sozialpäadagogik der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg, lebe in St.Pauli-Süd im "Parkhaus
2.) Vgl. AG Park Fiction, Aufruhr auf Ebene p. St.Pauli Elbpark 0 – 100%. In: Babias, Marius/Könneke, Achim (Hg.) Die Kunst des Öffentlichen. Amsterdam, Dresden (1998), S. 122 - 131
3.) Die GWA St.Pauli-Süd wurde 1975 als studentische Initiative im Stadtteil gegründet. Ihre Wurzeln liegen in der Arbeit mit Wohnungslosen, in der MieterInnen- und Freizeitarbeit.Sie ist Trägerin des Stadtteilzentrums "Kölibri" . Die vielfältigen Aktiviäten reichen von Theaterprojekten, Ausstellungen, Sozialberatung, familiärer Krisenhilfe bis zur Kinder- und Jugensozialarbeit.
4.) Im "Parkhaus", bei seiner Fertigstellung in 2003 Europas größtes Passivhaus, leben heute über 40 Erwachsene und Kinder - mit und ohne Rollstuhl, mit und ohne Studium, mit mehr, aber meistens weniger Einkommen.
5.) Die AG bildete sich aus dem Hafenrandverein heraus und bestand aus Dirk Mescher, Christoph Schäfer, Ellen Schmeißer, Sabine Stövesand, unterstützt von Kerstin Hof (Pressearbeit). Zu den weiteren langjährigen AktivistInnen zählen u.a. Thomas Ortmann, Caro Zaremba, Claus Petersen, Axel Wiest, Margit Czenki, Christopher Mcintosh, Kathrin Bredemeier, Markus Meier und viele, viele andere zu vielen verschiedenen Zeiten und Gelegenheiten.
6.) Park Fiction – Die Wünsche werden die Wohnungen verlassen, Margit Czenki 1998
7.) Günther Greis, Büro "arbos", Hamburg