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HausHalten e.V.

Geschrieben von Hannes Lindemann am .


Kontakt:

Hannes Lindemann, HausHalten e.V., Lützner Str. 39, 04177 Leipzig, Tel. 0341/24 19 879, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Internet: http://www.haushalten.org

Videodokumentation: siehe http://vimeo.com/84391735


Ziel des Ende 2004 in Leipzig gegründeten Vereins ist die Sicherung und Werterhaltung gefährdeter Altbauten an städtebaulich bedeutsamen Lagen durch die Akquisition neuer Nutzer auf nicht kommerzieller Basis. Aufgrund des großen Wohnungsüberhangs besteht in bestimmten Lagen für diese Häuser kaum eine Aussicht auf eine klassische Sanierung und Wiedernutzung, und andere Wege werden von Eigentümern selten selbst gefunden. Andererseits besteht ein großes Interesse an unkonventionell nutzbaren Räumlichkeiten jenseits des üblichen Mietmarktes, zur Ausübung von Tätigkeiten außerhalb der Wohnung. Hierfür werden Abstriche an der Qualität und Ausstattung in Kauf genommen.

Ziel von HausHalten e.V. ist es, beide skizzierten Probleme - Leerstand in unattraktiven Lagen und kreative Raumsuchende - als Chance zu betrachten und Eigentümer mit Nutzern zusammenzuführen. Im Laufe von über 10 Jahren HausHalten e. V. wandelte sich nicht nur das Stadtbild, auch der Verein entwickelte sich weiter. Mittlerweile befindet sich dieser stärker in der Rolle des Raumöffners in sich entwickelnden Quartieren.
Zur Umsetzung der Vereinsziele wurden verschiedene Modelle etabliert:

Beim Zwischenutzungsmodell Wächterhaus werden Hauseigentümer von den Kosten und der generellen Sorge um ihr Haus entlastet, dafür finanzieren sie eine Inbetriebnahme auf minimalem Standard. Die Nutzung des Hauses verhindert Vandalismus und grenzt Witterungsschäden ein. Dadurch sichern die Nutzer die Substanz und den architektonischen Wert der Gebäude, gleichzeitig befördern sie die Belebung des Viertels. Seit 2004 wurden insgesamt 17 Wächterhäuser ins Leben gerufen. Viele dieser Häuser sind inzwischen entlassen und konnten in neue Nutzungsverhältnisse überführt werden, unter anderem wurden diese von Nutzern gekauft und weiter entwickelt. Die Bandbreite der von den Hauswächtern ausgeübten Nutzungen reicht von kulturellen Veranstaltungen, Existenzgründungen bis soziale Angebote.

Seit 2010 setzt HausHalten e.V. – angelehnt an das Prinzip der Wächterhäuser – gemeinsam mit der Stadt Leipzig das Modell Wächterläden zur Aktivierung leerstehender Ladenlokale an Leipzigs Magistralen um. Wichtigstes Ziel ist es, die Erdgeschosszonen der Hauptverkehrsstraßen mit (neuen) Nutzungen zu beleben und damit kulturhistorisch bedeutsame Ladenlokale zu erhalten. Die positive Ausstrahlung wieder genutzter Ladenlokale und die damit erfolgende Belebung der Magistralen hat letztendlich zum Ziel, auch momentan „schwierige“ Läden langfristig wieder einer normalen Vermietung zuzuführen. Verschiedene Varianten zur Wiederbelebung von Ladenlokalen wurden bislang entwickelt und umgesetzt.

Neben gewerblichen Raumnutzungen bietet der Verein seit Ende 2011 mit dem Modell AusBauHaus auch ein Modell für Wohnnutzung an. Das AusBauHaus verbindet einen individuellen festgelegten Ausbaustandard mit einem klassischen, unbefristeten Mietverhältnis. Um eine langfristige, aber flexible Perspektive zu ermöglichen, erfolgt die Vermietung direkt zwischen Hauseigentümer und Mieter. Die Mieter erhalten viel Wohnfläche zum individuellen Selbstausbau und stabilen, günstigen Mietkonditionen. Materielle und handwerkliche Eigenleistungen der Mieter können auf die Mietkosten angerechnet werden. Hauseigentümern bieten das AusBauHaus langfristig stabile, kalkulierbare Mieteinnahmen und Wertsteigerungen bei vergleichsweise geringem eigenem Investitionsaufwand.

Um den konstanten Anfragen nach unkonventionell nutzbaren Räumen für Ateliers und anderen Nutzungen gerecht zu werden, wurde Anfang 2014 das Modell Atelierhaus angeschoben. Grundlage des Modells sind niederschwellig sanierte Gebäude, die allein gewerblichen Nutzungen dienen. Im Gegensatz zum Modell Wächterhaus konzentriert sich das neuste Modell auf Gebäude jenseits des Leipziger Gründerzeitbestands. Die Flexibilität des Modells Atelierhaus kann sowohl Zwischennutzungen als auch längerfristige Nutzungen beinhalten und dient der Bereitstellung kostengünstiger Räume für Akteure vor Ort. Darüber hinaus öffnet das Atelierhaus die Modell-Palette in Richtung Industrie- und Gewerbegebiete. Innerhalb des Modells werden dabei direkte Verträge zwischen Mietern und Eigentümern geschlossen.

Neben der Umsetzung dieser Modelle berät HausHalten e.V. Hausgruppen und Eigentümer bei der Umsetzung ihrer eigenen, individuellen Vorstellung- dies immer vor dem Hintergrund des Haus- und Raumerhalts. Besonders diese Beratungsleistungen in Leipzig und darüber hinaus werden aktuell verstärkt nachgefragt und sind Anknüpfungspunkte für Kooperationen.

Auch im Bereich praxisorientierte Forschung ist der Verein tätig. Das ExWoSt-Modellvorhaben „Ostwärts! Bündnis für eine innovative sozialverträgliche Immobilienentwicklung im Leipziger Osten“, welches in Zusammenarbeit mit der Stadt Leipzig von 2013 bis 2015 realisiert wurde, stellt eine weiter Form der aktiven Beteiligung an städtischen Prozessen dar. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, Hausgruppen in der Umsetzung ihrer Ziele besser zu unterstützen und somit positiv in das Quartier zu wirken.

Aktuell sind 12 ehrenamtliche Vereinsmitglieder und ein Angestellter für HausHalten tätig. Das Büro im Leipziger Westen ist jeden Tag besetzt und fungiert als eine erste Anlaufstelle für Interessierte, Nutzer und Eigentümer.