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Das Zentrum für Information und Bildung (ZIB) in Unna

Geschrieben von Axel Sedlack & Rita Weißenberg am .

Kontakt:

Rita Weißenberg, Zentrum für Information und Bildung (ZIB), Lindenplatz 1, 59423 Unna, Tel.: 02303-103730, Email Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! , Internet: http://www.stadt-unna.de/zib/


Das Konzept

Die Stadt Unna ist mit rd. 70.000 Einwohnern Teil des so genannten Ruhrgebietes, mitten in Europa. Das Ruhrgebiet ist bis etwa 1970 eine Stahl-, Kohle- und Bierregion gewesen, also eine große Industrieregion.
Heute sind viele Alt-Industrien verschwunden und das Ruhrgebiet präsentiert sich mehr und mehr als Bildungs- und Kulturlandschaft mit 200 Museen, 120 Theatern, 19 Hochschulen, 100 Kulturzentren.
 Wir haben 1999 begonnen, unser Konzept für das Zentrum zu entwickeln. Bis dahin arbeiteten diese 5 Einrichtungen fast völlig getrennt voneinander.
Wir haben uns damals gesagt, auch wir müssen unsere Bürgerinnen und Bürger darin unterstützen, den vielfältigen Anforderungen der Wissensgesellschaft gerecht werden zu können. Uns war insoweit bewusst geworden, dass das mit den alten Konzepten nicht mehr möglich sein wird. Denn Information und (kulturelle) Bildung sind die zentralen Ressourcen für beruflichen Erfolg und zur Sicherung von Lebensqualität geworden. Sie sind bedeutsam für das Wachstum einer Volkswirtschaft und für die Chancen jedes Einzelnen. Während auf der einen Seite die moderne Mediengesellschaft eine immer größer werdende Flut an Informationen produziert, veraltet auf der anderen Seite das Wissen immer schneller, und die Lebens- und Arbeitsverhältnisse verändern sich immer rascher. Nur lebenslanges Lernen befähigt uns, den persönlichen Alltag und die gesellschaftliche Zukunft zu gestalten – vorausgesetzt, es stehen hochwertige Informationen zur Verfügung sowie eine schnelle Wissensvermittlung.
Politik und öffentliche Hand sind angesichts dieser Entwicklung besonders herausgefordert. Ihnen stellt sich die Aufgabe, eine Infrastruktur zu entwickeln und vorzuhalten, die lebenslanges Lernen ermöglicht und Informations- und Medienkompetenz angemessen fördert. Denn das Wissen in den Köpfen der Menschen ist die wichtigste Grundlage für die Zukunftsfähigkeit eines demokratischen Gemeinwesens im globalen Wettbewerb.
 Somit bedarf es auch einer Politik, die dafür sorgt, dass die Menschen ihre Kompetenzen und Spielräume für eine souveräne Lebensgestaltung behalten bzw. wieder neu gewinnen. Sonst ist die Gefahr einer neuen Klassengesellschaft nicht von der Hand zu weisen: die Trennung in "Informierte" und "Nicht Informierte". Es entsteht eine Kluft zwischen denjenigen, die die neuen Techniken und Medien beherrschen, und denen, die als moderne Analphabeten ausgeschlossen sind.
In diesem Sinne beschloss der Rat der Stadt Unna, ein Zentrum für Information und Bildung (ZIB) zu bauen und die bisher getrennt voneinander arbeitenden Einrichtungen (VHS, Bibliothek, Archiv, Kulturamt) organisatorisch und personell zu einer Einrichtung zusammenzufassen. Mit dem Ziel flexible, vernetzte, fachbereichs- und ressortübergreifende Angebote zu schaffen, neue Angebotsinhalte, neue Angebotsformen zu entwickeln, die Ressourcen effizienter einzusetzen sowie vor allem neue Zielgruppen zu erschließen.
Also eine Modelleinrichtung, die sich als regionales Kompetenzzentrum versteht, dass allen den Zugang zu multimedialen Informations- und Kommunikationstechnologien, zu vielfältigen Medienangeboten in offenen und geschlossenen Lernbereichen, ermöglicht.
Die Schritte bis zur Eröffnung bestanden darin, die Grundidee, bzw. die Ziele zu entwickeln, diese mit Experten aus den Fachbereichen Weiterbildung und Kultur zu reflektieren, sich bestehende Einrichtungen anzuschauen, und an dem Entwicklungsprozess sehr eng die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der betroffenen Einrichtungen zu beteiligen.
So entstand mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unter externer Moderation ein gemeinsames Organisations- und Personalkonzept.
Bedeutsam auch, die frühzeitige Einbindung des Architekten, der, wie wir finden, sehr adäquat unsere konzeptionellen Vorstellungen umgesetzt hat in die Gestaltung des Gesamtgebäudes.
Eine große Transparenz und eine gehobene Aufenthaltsqualität zeichnen das Haus aus.
Eröffnet haben wir das Zentrum im September 2004, so wie wir es in unserem Konzept beschrieben haben. Und damit wurden die 5 verschiedenen Einrichtungen tatsächlich, zusammengeführt zu einem homogenen, integrierten Zentrum.
Das Profil und damit die Ziele dieser modellhaften, in dieser Konsequenz bisher einmaligen Einrichtung, lassen sich in 8 Punkten beschreiben:

  •  Lesekompetenz fördern (Beispiele Kinderbibliothek, Jugendbibliothek)
  • Medienkompetenz/Schlüsselkompetenz entwickeln (Beispiel Medien-Kunst-Raum)
  • Neue Lernräume öffnen (Beispiel Ateliers)
  • Selbststeuerung/Selbstverantwortung fördern (Beispiel Lern-Treff)
  • Vernetztes Lernen ermöglichen (Beispiel Konferenzraum)
  • Aufenthaltsqualität steigern (Beispiele Halle und Passage, Café)
  • Servicequalitäten erhöhen (Beispiele Counter, Museums-Shop, Archiv, Öffnungszeiten)
  • Bewährtes erhalten (bewährte Angebote in neuer Form bei der Volkshochschule, Stadtbibliothek, in der Kulturarbeit)

Zusammengefasst geht es um Vermittlung, um Förderung und um selbstgesteuertes Lernen mit hoher Servicequalität in einem multimedialen Umfeld, fachbereichs- und ressortübergreifend. Und auch kostensparend.


Neue räumliche und inhaltliche Möglichkeiten insbesondere zur Erreichung neuer Zielgruppen

Die Kinderbibliothek mit 346 qm bietet Möglichkeiten des Aufenthalts, des Spielens, Verweilens und für verschiedene Aktivitäten für Kinder bis zu 12 Jahren.
Die Kinderbibliothek regt durch ihre kindgerechte Ausstattung und durch ein attraktives Medienangebot zum Stöbern an und  weckt die Leselust bei Kindern.
In Vorbereitung ist ein Schülercenter für die Grundschulkinder.

Die Jugendbibliothek für die Altersgruppe 13 bis 18 Jahre ist ausgestattet als

  • Meetingpoint im Freizeitbereich. Hier können die Jugendlichen in Comics und Zeitschriften stöbern, fernsehen, "abhängen".
  • Dazu wurden neue Akzente im Bereich Musik, Zeitschriften, Spiele in der Bibliothek gesetzt.
  • Neu eingerichtet wurde das Schülercenter mit über 2.000 Schülerhilfen, mit PC- und Internetarbeitsplätzen und der Möglichkeit in Kleingruppen zu Arbeiten. Mit der Beteiligung am Projekt Medienpartner Schule und Bibliothek der Bertelsmann-Stiftung wurden hier dauerhafte Strukturen der Zusammenarbeit von Schule und Bibliothek gelegt.

Medien-Kunst-Raum
Ein hochwertig ausgestatteter PC- und Technikraum ermöglicht kreative und künstlerische Auseinandersetzung mit diesen Medien durch Projekte in den Bereichen: Videokunst, Lichtkunst, digitale Bildbearbeitung, multimediale Tanz- und Theaterproduktionen oder die Entwicklung von Spielen und Radiosendungen. Projekte wie "Digital Story-Telling, Erstellung von eigenen Videoclips oder Großbildproduktionen z.B. über das Leben von John Lennon sind nur einige Beispiele der vielfältigen Möglichkeiten für Schulklassen, Bands, Theatergruppen oder Künster.

Ateliers
Die Ateliers im zib dienen den Angeboten im Bereich bildende Kunst (Zeichnen, Malerei, Grafik, Druck, Fotografie, textiles Gestalten, Plastik, Skulptur). Sie sind von vielen Stellen im Haus gut einsehbar und sollen so für die kulturelle Bildung werben, der im zib von Anfang an ein besonderer Stellenwert zugeschrieben wurde.

Lern-Treff

  • Der Lerntreff ist mit seinem Angebot in den Nachmittags- und Abendstunden bereits jetzt zu einem Erfolg versprechender Weg für offenes und flexibles Lernen geworden. An 4 Tagen in der Woche ist der Lern-Treff geöffnet. Mit über 300 Nutzungen im Monat gehört er bereits jetzt zu einem attraktiven Angebot im Hause.
  • Zusätzlich gibt es gezielte Angebote zum Thema Lernen lernen, Internetrecherche, Lerntypentests, Berufsorientierung, Einführung in Recherchetechniken, Nutzung von Datenbanken etc.
  • Selbstlernkurse im Sprachenbereich und im EDV-Bereich mit Lernberatung und Lernbegleitung

Konferenzraum
Der Konferenzraum steht mit seiner audiovisuellen Medientechnik der Öffentlichkeit zur Verfügung. Hier können Firmenschulungen, Präsentationen, Pressekonferenzen, Tagungen von Firmen und Institutionen sowie wissenschaftliche Fachvorträge stattfinden. Hintergrund dieser Überlegung war, einen technisch hochwertig ausgestatteten Raum für unterschiedliche Nutzer vorzuhalten.

Halle / Passage / Café / Galerie
Die Eingangshalle und die Passage dienen einerseits

  •  der Information, aber auch
  • dem Aufenthalt und dem Verweilen sowie der Durchführung von Veranstaltungen

I-Punkt

Der I-Punkt ist sozusagen das Herzstück des zib. Hier wird gleich im Eingangsbereich ein umfassender Informationsservice des zib geboten. Dabei geht es nicht nur um Informationen aus dem Haus, sondern hier ist auch die Stadtinformation mit der

  • Kartenvorverkaufsstelle
  • Stadtführungen
  • Eintritt für das Lichtkunst Museum
  • und dem Museumsshop

Mehrwert: Neue Qualitäten durch Bündelung von Einrichtungen

Unsere Aussage: 2+2=5 zeigt sich an folgenden Punkten: Durch interdisziplinäre Ausrichtung der Inhalte und Angebotsformen kann eine höhere Angebotsqualität erzielt werden. Das Zusammenwirken unterschiedlicher Fachkompetenzen im Hause schafft eine Angebotserweiterung und Verbesserung, die eine Einrichtung alleine in der Form nicht vorhalten kann. Somit entstehen

  • hochwertige Dienstleistungen "aus einer Hand"
  • eine bessere Auslastung der Ressourcen (Gebäude, Technik, Personal)
  • eine höhere Effizienz bei gleichem Mitteleinsatz.

Mehrwert: Intensivierung der Zusammenarbeit mit Schulen (Bildungspartnerschaft)

Ziel der Bildungspartnerschaft zwischen Schule und zib ist es, die Lese-, Informations- und Medienkompetenz von Schülern zu steigern. Dabei ergänzen sich Schule und insbesondere die Bibliothek in idealer Weise. Voraussetzung ist allerdings eine strukturelle und systematische Zusammenarbeit. In Unna wurde die Zusammenarbeit auf folgenden Gebieten systematisch intensiviert:

  • bei Klassenführungen und Unterricht im ZIB
  • Lesepatenschaften, um die Freude am Vorlesen und somit das Interesse am Buch bereits bei kleinen Kindern zu wecken.
  • Gemeinsam mit dem Schulbereich arbeiten wir zur Zeit an einem kommunalen Medienentwicklungsplan, um eine abgestimmte Strategie zur Förderung von Lese-, Informations- und Medienkompetenz auf kommunaler Ebene mit allen Beteiligten zu erzielen.

Mehrwert: Lern-Treff

Der Lern-Treff wurde als neues Angebot mit der Eröffnung des zib eingeführt. In nur kurzer Zeit wurde er durch Mundpropaganda bereits zu einem Geheimtipp

  •  Die Nutzungszeiten ermöglichen dem Nutzer Mo, Di, Do 16.00 bis 21.00 Uhr, Sa 11.00 bis 14.00 Uhr eine flexible Zeiteinteilung insbesondere in den Abendstunden.
  • Die Nutzer können Lernziele, Lerntempo und Stundenplan selber bestimmen.
  • Zur Zusammenstellung der individuellen Lerninhalte sowie der Lernschritte steht eine qualifizierte Lernberatung zur Verfügung.
  • Der Lern-Treff nimmt eine wichtige Schnittstellenfunktion zwischen VHS, Bibliothek und individuellem Lernen ein.

Mehrwert: Kulturelle Bildung

  • Durch die Zusammenführung von technischem Know-how und Kreativität werden auf neue Art und Weise Zugänge zu Kunst und Kultur ermöglicht und damit neue Zielgruppen angesprochen.
  • Durch die Vermittlung von Grundlagen medienkünstlerischer Arbeitsweisen werden sowohl Medienkompetenz vermittelt als auch ein frecher, freier Umgang mit Inhalt und Form.
  • Projektarbeit mit Künstlern und kulturellen Initiativen sowie mit Schulklassen stellt Schlüsselkompetenzen wie Kreativität, Fantasie und Empathie in den Mittelpunkt ihres Handelns.

Resümee / erste Bilanz (2005)

  • Wir haben steigende Nutzerzahlen im Bereich der VHS (ohne den Lern-Treff).
  • Wir haben erhebliche Steigerungsraten in der Medienausleihe und in den Anmeldezahlen der Bibliothek:
  • Nach anfänglichen Umorientierungsproblemen stellt sich eine hohe Kundenzufriedenheit ein, gleichzeitig wachsen die Ansprüche an den Service.
  • Das Haus wird als architektonische Bereicherung des Stadtbildes angesehen und war die abschließende Maßnahme der Stadt zur Umwandlung der stillgelegten Lindenbrauerei.
  • Mit dem Einzug in das Haus und aufgrund der positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung konnte auch eine Motivationssteigerung und Identifizierung der MitarbeiterInnen festgestellt werden.
  • Das zib hat sich zu einem wesentlichen Baustein für die regionale Bildungslandschaft Unna entwickelt.