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Gästezimmer „Im Wiesengrunde“

Geschrieben von Andreas Bodamer-Harig am .


Kontakt:

Stadtteil-Genossenschaft Sahlkamp eG i.G., c/o Quartiermanagement Soziale Stadt Sahlkamp-Mitte, Elmstraße 15, 30657 Hannover, Tel. 0511-16848054; E-Mail: Andreas.Bodamer-Harig@Hannover-Stadt

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Die Idee

Die hauptsächliche und ursprüngliche Idee war, zwei Stadtteil-Themen so miteinander zu verknüpfen, dass ein neues Projekt gestaltet werden konnte. Das erste Thema war der erhebliche Wohnungsleerstand im Hochhausbereich direkt im Zentrum des Stadtteils Sahlkamp. Das zweite Thema war die anhaltend deutlich erhöhte Arbeitslosigkeit im Stadtteil. Modellhaft sollen einige Wohnungen zu Gästezimmern umgewandelt werden, um so in der Praxis beispielhaft zu erproben, wie leer stehender und schwer vermietbarer Wohnraum sinnvoll umgenutzt werden kann.


Die Entwicklung von Mitte 2007 bis Ende 2009

Im Stadtteil Sahlkamp arbeitete seit Mitte 2007 eine kleine Gruppe interessierter Einwohnerinnen und Einwohner mit Unterstützung der Gemeinwesenarbeit Sahlkamp und des gemeinnützigen SPATS e.V. (SPATS steht für „Solidarisch-Präventiv-Attraktiv-Tatkräftig-Sozial – Einrichtungen und Projekte der Selbsthilfe im Sahlkamp“) an der Gründung einer Selbsthilfe-Genossenschaft. Als sog. „Geschäftsfeld“ wurde überlegt, in einem Hochhaus mit hohem Wohnungsleerstand mehrere Wohnungen zu Gästezimmern umzugestalten. Mitte 2007 kaufte Pirelli RE den im Stadtteilzentrum liegenden Wohnungsbestand und die Gewerbeflächen von Cerberus auf (dieser Fond wiederum hatte den Wohnungsbestand Anfang 2006 von der BauBeCon übernommen), im Stadtteil Sahlkamp immerhin 820 Wohneinheiten. Von diesen standen im Herbst 2007 mehr als 100 Wohneinheiten leer. Aus innerbetrieblichen Gründen beendete Pirelli RE Anfang 2008 zunächst die mit der Initiativgruppe geführten Gespräche, die sich um die Entwicklung von Gästezimmern drehten.

Die Mitglieder der Genossenschafts-Initiative gingen nach dem Ende der Gespräche mit Pirelli RE auf die Gesellschaft für Bauen und Wohnen Hannover mbH (GBH) zu, die Vermieterin von rund 240 Wohnungen im nördlichen Bereich des Sahlkamp ist.
Diese Wohnungen liegen im Wohngebiet Kiefernpfad / Im Wiesengrunde. Die Leerstandsquote liegt mit dauerhaft rund 6 % über dem Durchschnittswert in Hannover (3,4 %). Das entspricht einem Leerstands-Anteil von rund 15 Wohnungen.

Die für die Wohnungsvermietung zuständige GBH-Geschäftsstellenleitung unterstützte von Anfang an die Projektidee. In Gesprächen mit der Initiative wurde zunächst vereinbart, dass vier Wohnungen zu Gästezimmern umgewandelt werden sollten. Erforderlich hierfür war eine Zweckentfremdungsgenehmigung, die vom Land und von der Stadt erteilt wurde. Im Sommer 2009 konnte mit der Einrichtung der Gästezimmer begonnen werden. Da zwischen der GBH und der Initiativgruppe zunächst die Anmietung der Wohnungen beabsichtigt wurde, war bei genauerer Betrachtung der Miet- und Mietnebenkosten klar, dass die Initiative diese laufenden Kosten für vier Wohnungen mit insgesamt neun vorgesehenen Gästezimmern nicht würde aufbringen können, da diesen Kosten keine gesicherten Mieteinnahmen aus dem Gästezimmerbetrieb gegenüber stehen würden. So verständigten sich beide Seiten darauf, zunächst nur eine Wohnung mit vier Zimmern, von denen drei als Gästezimmer hergerichtet werden sollten, umzuwandeln. Im Verlaufe der weiteren Gespräche schlug die GBH vor, dass die GBH selbst Vermieterin der Gästezimmer sein sollte, um so die Initiative von einem weiteren Kostenrisiko zu befreien. Die Initiative sollte den Service übernehmen. Dieser Service umfasst die Vermittlung der Gästezimmer im Auftrag der GBH und sämtliche Reinigungs- und Gästebetreuungstätigkeiten.

Die Einrichtung der ersten Gästewohnung wurde von den Initiativmitgliedern bewerkstelligt. Sachkosten für Einrichtungsgegenstände wurden sowohl von der GBH zur Verfügung gestellt, die insbesondere die Küchenzeile finanzierte, als auch vom Niedersächsischen Landesamt für Soziales, Jugend und Familie, das einen Projektkostenzuschuss gewährte. Darüber hinaus stellte das Grand Hotel Mussmann bereits im Sommer 2009 im Zuge der völligen Neugestaltung des Grand Hotels seine bis dahin genutzten Möbel zur Verfügung, die die Initiativmitglieder lediglich vom Grand Hotel abholen und leicht aufarbeiten mussten. Auch die Stadtteilstiftung Sahlkamp-Vahrenheide gewährte einen Projektkostenzuschuss.

Die Vermietung der Gästezimmer begann im Januar 2010 im Auftrag der GBH durch den SPATS-Verein. Der SPATS e.V. unterstützt im Rahmen seiner satzungsmäßigen Zielsetzungen die Stadtteil-Genossenschaft eG i.G., indem er solange als Vertragspartner (juristische Person) für die GBH und andere Gesellschaften (z.B. GEZ, Versicherungen, Warenhäuser) fungiert, bis die Genossenschaft eine eigene rechtlich selbstständige juristische Person darstellt (nach Registrierung). Sobald die Stadtteil-Genossenschaft Sahlkamp eG i.G. im Genossenschaftsregister registriert ist, wird sie die Vermietung der Gästezimmer im Auftrag der GBH ausführen.

Die Stadtteil-Genossenschaft verfolgt mehrere Zielsetzungen, die sie auch gemeinsam mit Partnern im Stadtteil umsetzen will. Sie will die wirtschaftliche, berufliche und soziale Förderung und Betreuung der Mitglieder durch einen gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb in Selbsthilfe erreichen. Verbunden damit soll eine nachhaltige Verbesserung der Lebensbedingungen insbesondere durch Schaffung von Arbeitsplätzen erreicht werden. Die Genossenschaft will die Eigeninitiative der Mitglieder nutzen und ihre Bereitschaft und Fähigkeit zur Übernahme von Verantwortung stärken. Und letztlich will sie einen Beitrag sowohl für die Verbesserung des Wohnumfeldes als auch des Stadtteilimages Sahlkamp leisten – auch des Images im Wohngebiet rund um den Kiefernpfad/Im Wiesengrunde.

Das Projekt „Gästezimmer Im Wiesengrunde“ soll den Anfang von ggfs. weiteren Wohnumfeldprojekten darstellen. Den im „Gästezimmer-Projekt“ Mitwirkenden ist klar, dass der – bezahlte – Beschäftigungseffekt bei nur einer Gästewohnung äußerst gering ist und kaum über Aufwandsentschädigungen hinausgeht. Sollte der Betrieb der ersten Gästewohnung – er ist zunächst bis Ende 2010 genehmigt – erfolgreich verlaufen, wird die GBH vielleicht einige weitere Wohnungen für die Umwandlung zur Verfügung stellen. Der Stadtbezirksrat Bothfeld-Vahrenheide unterstützt finanziell die Gründungsphase der Stadtteil-Genossenschaft und stellt Sachmittel für die Ausstattung weiterer Gästezimmer für das Projekt zur Verfügung – letzteres unter der Voraussetzung, dass die Genossenschaft registriert ist.